Ein „floor member“ auf dem internationalen AGM in Sun City Südafrika [Johannes Goossens]

Warum fährt ein „floor member“ zum internationalen AGM nach Südafrika? Auf dem internationalen AGM in Landshut haben wir Bruce McKay (damaliger incoming President) kennengelernt. Bruce kommt von RT 25 Bloemfontein. Es gibt aber noch einen zweiten Tisch: RT 158 Bloemfontein. Ich komme von RT 158 Kalkar. 1991 war ich zum ersten Mal bei den Tablern von 158 Bloemfontein. Kurz vor meinem Abflug habe ich den damaligen Präsidenten von RT 25 beim Bannerexchange getroffen. Dieses Bild habe ich Bruce in Landshut gezeigt. „Das ist Dave, er lebt jetzt in Durban. Bedingt durch deine Verbindung nach Bloemfontein und Südafrika würde ich mich über dein Kommen nächstes Jahr in Sun City freuen“. Ein Blick zu Marianne, ein bestätigendes Nicken und wir sagten zu.

 

Die Flüge, Unterkunft in Sun City wurden gebucht. Da wir an der Pre-Tour teilnahmen, reisten wir schon montags an. Ein großes Hallo von vielen nationalen und internationalen Tablern erwartete uns in der Ankunftshalle am Flughafen in Johannesburg. Nach Ankunft des letzten Tablerehepaars ging’s mit dem Shuttlebus nach Sun City. Etwa 2 Stunden von Johannesburg entfernt am Fuße des Nationalparks Pilanesberg liegt der größte Vergnügungspark Südafrikas. Zu Apartheidszeiten diente er den „Weißen“ vornehmlich als Vergnügungspark. Seither pilgern Millionen von Besuchern pro Jahr in dieses Spaß-Eldorado. Golfplätze, Strandvergnügen, Extremsportarten, Wassersport und vieles mehr mitten in der Wüste.

Auf der Hinfahrt, bei der Registrierung und während der ganzen Zeit fühlten wir uns in einer großen Gemeinschaft, als wären wir uns schon oft begegnet. Das erleben wir immer wieder, wenn Tabler, ob national oder international, sich treffen.

Während der 9 Tage waren die Temperaturen für diese Jahreszeit mit 28° gemäßigt und wir haben das umfangreiche Frühstück, natürlich mit der traditionellen Boerewors im Freien genossen, sofern uns die Affen in Ruhe ließen. Ein Ärgernis für die Einheimischen, ein erstes fotografisches Highlight für die Tabler.

Die erste Tour führte uns nach Soweto (South West Township). Während wir durch Soweto fuhren, erklärte uns ein 41ner aus Johannesburg die Entwicklung der Townships. Die Afrikaaner-Elite von damals löste das Rassenproblem auf ihre Weise: Mitten im südafrikanischen Staatgebiet wurden nach Stämmen sortiert sogenannte Homelands gegründet und den schwarzen Bewohnern als neue Heimat zugewiesen. Etwa vier Millionen leben hier. Dort haben wir auch die Regina Mundi Church, die größte römisch katholische Kirche in Südafrika, besichtigt. Während der Apartheid am 16. Juni 1976 flohen gegen die Apartheid protestierende Studenten vom Orlando Stadium in die Regina Mundi Kirche, um sich vor den Kugeln und Tränengas der Polizisten zu schützen. Die Polizisten stürmten die Kirche und feuerten weiter. Es wurde aber niemand erschossen. In der Kirche sind überall noch Kugellöcher zu sehen. Es jagt einem schon Schauer über den Rücken, wenn Menschen eine Kirche als Zufluchtsort aufsuchen und weiter beschossen werden.

Das Leben in den Townships ist bunt und vielfältig. Die besten Geschichten aus erster Hand erfährt man beim Besuch einer Shebeen, während der Apartheid eine illegale südafrikanische Township-Kneipe. Mittlerweile ist Shebeen auch die Bezeichnung für Bars in den Slums in den Ländern des südlichen Afrikas, insbesondere Südafrika. Wellblech-Decken und Wände, eine häufig vergitterte Bar, ein paar Barhocker, ein Billardtisch, Geldspielautomaten, Plakate an den Wänden und oft auch Werbe-Gimmicks von diversen Brauereien. In der Regel entsprechen sie nicht den hygienischen Anforderungen an einen Schankbetrieb. Natürlich musste jeder auch das selbst gebraute Joburg Beer aus einer Kalabasse trinken.

Zurück verabredeten wir uns zum Fischessen in einer der zahlreichen Restaurants. Mit einem tollen Blick über Sun City wurde draußen ausgiebig gegessen und „gute Gespräche“ bis nach Mitternacht geführt.

Am anderen Tag fuhren wir zum Apartheid Museum. Hier waren zwei Stunden vorgesehen, ich hätte dort aber vier Stunden verbringen können. Das 2001 eröffnete Apartheid Museum in Johannesburg ist vermutlich das beeindruckendste und meistbesuchte Museum des Landes. Hier wird die Geschichte Südafrikas, der Weg der Rassentrennung, der 1948 begann und erst 1994 endete, auf ebenso informative wie beklemmende Weise dargestellt. Gleich am Eingang musste ich entscheiden, ob ich durch die Tür mit der Aufschrift „Whites“ oder durch die mit „Non-Whites“ gehen wollte. Diese Trennung habe ich bei meinem ersten Besuch in Südafrika 1987 selbst erlebt. Dank einer gelungenen Museumsarchitektur, ein Labyrinth des Schreckens, eindrucksvolles Bild- und Tonmaterial wurde diese dunkle Seite sehr gut aufbereitet. Den Lunch nahmen wir auf der Terrasse des World of Beer, SAP South African Breweries, ein. Vorher konnten wir noch verschiedene Biersorten testen. Bei den Temperaturen draußen war es ein nicht zu unterschätzendes Unterfangen. Zurück wurde erst mal ausgiebig geschwommen. Nach dem Abendessen im Steakhouse blieben wir bis weit nach Mitternacht an der Bar mit anderen Tablern.

Bis dahin habe ich mich wohl mit allen 23 Nationen unterhalten, die zum internationalen AGM gekommen waren. Das ist das faszinierende an AGMs, Tabler zu treffen.

Am folgenden Tag ließen wir es ruhig angehen. Mit dem Shuttlebus fuhren wir bis zum Eingang, um dann zu Fuß zurück zum Hotel, etwa 5km. Vorbei an der Krokodilfarm und weiter zu traditionellen Dörfern, die einige der prominentesten Stämme Südafrikas zeigen. Durch den Regenwald mit Seilbrücken, Teichen und Wehren, natürlich künstlich angelegt, gelangten wir zum See. Hier wurden alle Arten von Wassersport betrieben vom Bötchen fahren bis zum Parasailing, ob unter oder über Wasser. Vorbei an den Tennisanlagen zum ersten Golfplatz. Hier trainierten die Belgier Jean-Claude mit Carine und Didier für das Golfturnier. Sie nehmen auch immer am jährlichen Golfturnier im D6 teil. Durch den Botanischen Garten gelangten wir zum Vogelparadies mit vielen heimischen Vogelarten. Mittags entspannten wir im Wonderland of Water, the Valley of Waves. Auf riesigen Flächen verbreiten künstlich angelegte Strände stilechtes Beach Life. Beeindruckend auch die hohen Wellen, die groß genug für Surfwettbewerbe sind. Wir waren aber nicht die einzigen Tabler am Strand. Und wenn ich mich wiederhole: Immer wenn Tabler zusammenkommen, gibt es Spaß und Freude.

Am Freitag fuhren viele Tabler sehr früh auf Safari in den viert größten Nationalpark Pilanesberg. Während der Fahrt waren alle ziemlich aufgeregt. Ich fühlte mich wie auf der Pirsch. Wer erspäht neben Giraffen, Antilopen, Gnus zuerst das erste Tier der „Big Five“. Bis auf den Leoparden habe ich sie gesehen. Es wurde fotografiert, was das Zeug hält.

Zurück haben wir es bis zum Welcome ruhig angehen lassen. Zum Welcome traf man sich auf dem Monkey Spring Plaza. Mit afrikanischen Rhythmen wurden wir empfangen. Drinks wurden gereicht und man begrüßte „alte“ Bekannte, die erst heute angereist waren. Ein buntes Bild, denn viele Tabler waren im afrikanischen Look gekleidet.

Von hier hatte man einen sehr schönen Blick auf the Valley of Waves. Kein Gast war zu sehen. Der Strand war für uns reserviert.

Dann ging’s herunter und die Strandparty begann. Zwei Bands spielten Bekanntes und afrikanische Songs unter anderen von „Mama Afrika“, Miriam Makeba.. Mit viel Leckereien und dem traditionellen Braai (Afrikaans für braten) wurden wir verwöhnt. Es wurde gefeiert und getanzt, ganz Tablerlike, bis weit nach Mitternacht.

Auf der Delegiertenversammlung am Samstagmorgen waren aber die Tabler hellwach. Nach der Vorstellungsrunde wurde die Tagesordnung zügig abgehandelt. Bruce McKay (SA) ist nun int. President, Luv Trigaux (B) Vice President Elect. Nun wurde es sehr unruhig. Mit Standing Ovation wurde Friedsam zum Pastpräsident. Hier fühlten alle, welche großen Fußstapfen er hinterlässt, was er Bedeutsames während seiner 41-Zeit geschaffen und welche Pflöcke er für die Zukunft 41 int. gesetzt hat.

Zum President’s Banquet empfing uns eine afrikanische Gruppe junger Frauen und Männer, traditionell gekleidet, mit Gesang und Tanz. Dem Ausdruck nach war es wohl ein Begrüßungstanz und kein Kriegstanz. Zwischen den einzelnen Menüs, übrigens hervorragend, wurde das neue Board vorgestellt. Mit viel Applaus und wieder einmal Standing Ovation wurde Friedsam, Out Going President, bedacht.

 

Mit einer kleinen Träne im Augenwinkel bedankte er sich bei allen. Ein bewegender Augenblick. Im Anschluss wurde gefeiert und bis zum Abwinken getanzt. Hier hat das Wort „Old“ völlig an Bedeutung verloren.

Das Farewell fand auf der Terrasse der Monkeys Bar statt. Es war ein fröhlicher, aber auch besinnlicher Abschied mit dem Versprechen, sich wiederzusehen. Versprochen. Mittags startete die Post-Tour nach Kapstadt. Da wir Kapstadt kennen, blieben wir bis Dienstag in Sun City. Mit Alexander und Yvette aus Malta wurden wir pünktlich zum Flughafen gebracht.

 

Ein Dank an Tania, die alles von der Ankunft bis zum Abflug organisiert und David, der jede Überweisung sofort bestätigt hat und besonders Zeet, der sich während der ganzen Zeit von morgens bis abends um alle gekümmert hat. Selbstverständlich gilt mein Dank auch allen anderen, die das großartige AGM ausgerichtet haben.

Warum fährt ein „floor member“ zum internationalen AGM. Hier trifft man internationale Tabler und das ist eine enorme Bereicherung. Gut, dass ich da war!

Text: Johannes Goossens            Bilder: Fabian Engler

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