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Tischgespräch - aus den Protokollen aufgenommen

Worüber wird an Deinem Tisch und an den Nachbartischen gesprochen?

Hier findest Du Auszüge aus den eingegangenen Tisch-Protokollen zu den aktuellen Tisch-Gesprächen. Die Homepage-Redatkion bittet um Verständnis, dass nur Tischgespräche reflektiert werden, die in den letzten 2 Wochen stattgefunden haben. Vor diesem Hintergrund geht die Bitte an alle Sekretäre, möglichst schnell die Protokolle zu verfassen und zu übermitteln.

 

Bitte beachten: Für den Inhalt der Tischgespräche und der veröffentlichten Vorträge ist ausschließlich der jeweilige Tisch verantwortlich, der die Protokolle für OT und dessen Homepage zur Verfügung gestellt hat, der Inhalt der Tischgespräche und der Inhalt der veröffentlichten Vorträge stellt nicht automatisch auch die offizielle Meinung von OTD dar.

 

OT 114 Paderborn am 29.08.2010 Heimat-Erkundungen

Heinz führte uns ein Stück den Boker Kanal herauf über eine Schleuse an den ehemaligen Rieselfeldern vorbei. Er erklärte uns die Arbeitsweise der Wasserableitungen über die früheren Rieselfelder in die Parallelkanäle zurück in den Kanal.

Danach fuhren wir mit den Wagen zu Rohlings Deele, einem Bauernhof am Kanal, heute Bauernhofcafe. Bei einem kleinen Imbiß nach freier Wahl kam dort Herr Ferdi Westerhorstmann hinzu, packte seine Bilder aus und informierte anschaulich und unterhaltsam über die Lebensaufgabe, die ihm als Bauer am Boker Kanal zugefallen war: Als Präsident des Boker Heideverbandes die Kanalhoheit wahrzunehmen für die Eigentümer der Grundstücke Boker Kanal. Dieser ist ca 31 km lang von Paderborn bis Kappel hinter Lippstadt und verfügt über 75 ha Land und eine 160-jährige Geschichte (Inbetriebnahme 1850). Zwei Nebenerwerbslandwirte bewerkstelligen mit ihm die Pflege und Bewirtschaftung. Der Kanal erfasst seitlich etwa jeweils 2,5 km somit ein Gebiet von ca 3000 ha.

Der Kanal liegt auf der Wasserscheide zwischen Lippe und Ems, ursprünglich Heide und Kieferwald, heute landwirtschaftliche Fläche, die nicht mehr der Bewässerung bedarf, da im Laufe der Jahre der ursprüngliche Sandboden durch die Bewässerung und Bewirtschaftung hinreichend Humusboden angesammelt hat und somit die notwenige Feuchtigkeit selbstständig hält.

Am Landschaftspunkt „Freier Stuhl“ treffen die Gebietskörperschaften Arnsberg, Meschede und Detmold zusammen, deren jeweilige Interessen es mit der Verbandsarbeit auszugleichen gilt.

Bereits im 11. Jahrhundert plante Bischof Meinwerk, das unfruchtbare Gebiet zu überstauen. 600 Jahre später wurde es realisiert. Unter preußischer Hoheit wurden in den Jahren 1700 bis 1800 die dortigen Arbeiter aus der Leibeigenschaft entlassen und Eigentümer. 1823 wurde die Lippe schiffbar gemacht per Traidelzug. Die Bahnstrecke Paderborn-Hamm brachte vereinfachte Frachtmöglichkeiten. 1840 wurde das Projekt der Be- und Entwässerung mit dem Ziel, den Ertrag zu versiebenfachen, nach Berlin gemeldet und vom preußischen König genehmigt. Das erforderliche Meliorationsgutachten erstellte Herr Theodor Wurfbein 1849 mit Regierungsrat Rasche gegen den Widerstand eines Teils der Bevölkerung: Der Kanal sollte in Hochlage mit einer Sollbreite von 6 Metern unter 27 Brücken und 4 Aquädukten 6,2 cbm Wasser an 200 Tagen im Jahr wässern bei einer 5-maligen Wasserverwendung. Die Kosten waren mit 258.000 Thalern bei 108.000 Thalern Zuschuss veranschlagt.

Am 24.07.1850 endlich konnte das Statut besiegelt werden über 5.426 Morgen Land, 15 Schleusen und 1,5 Jahren Planzeit, die dann 3 Jahre dauerte. 1852 gab es eine Arbeitsniederlegung mit dem Ziel höherer Löhne. Der 1853 nach Berlin gesandte Rechenschaftsbericht ergab weiteren Zuschuss.

Am 21.10.1953 erfolgte der Durchstich zur Lippe und die ersten Wasserkulturen. 1855 wurde der Hauptkanal der Sozietät übergeben. Es gab viele Probleme bis Baurat Michels 1857 bis 1900 das Berieselungssystem verbesserte, ab 1865 ein uneingeschränktes Wasserentnahmerecht ermöglichte und den Bauern einen gewissen Wohlstand brachte. Die Wiesenerträge erwiesen sich als sehr gut. Es gab inzwischen einen Wiesendirektor für den Heuverkauf und 1936 wurde ein Verbandshaus für den Wasserdirektor in Delbrück gebaut. Ein Kanalwerker in Uniform beaufsichtigte die Kanalarbeiter.

Probleme gab es aus der Brückenbaupflicht des Verbandes. Als diese übernommen wurde, reichte eine Tragkraft von 3 t, heute sind 30 t abzusichern für den landwirtschaftlichen Verkehr. Die Verhandlung unseres Referenten ergab den Vergleich, dass der Verband für 3 t zuständig blieb, also nur 10 % der Kosten trägt.

1948 war die Lippeschleuse gesprengt und das Geld durch die Währungsreform weg. 1950 wurde sie wieder aufgebaut sowohl für die Landwirtschaft als auch die neue Möbelindustrie in Delbrück, die es heute nicht mehr gibt. Die Berieselung wurde eingestellt. Delbrück und Lippstadt entnehmen das versickernde Wasser des Kanals als Brauchwasser für die privaten Haushalte.

Der Kreis Paderborn führt heute als untere Wasserbehörde die Aufsicht über den Verband. Der Verband versorgt 120 km Wasserläufe einschließlich der Gräben und 73 Bauwerke mit einem Jahresetat von ca Euro 100.000. Der Verband führt die Verhandlungen und schließt die Verträge zu jeglicher Nutzung (z.B.: Regenwassereinleitung, Entnahme für den Golfplatz, öffentliche Radwegnutzung, Naherholung, Pappelholz ) und zieht von den Nutzern jeweils angemessene Beiträge zu den Unterhaltskosten ein. Eine Nutzung als Energiequelle wird mit dem Einlaufbauwerk an der Lippeschleuse erstmals erprobt.

Zusätzliche Kosten drohen dem Verein aus Naturschutzgedanken: Es gibt ein höchst seltenes Bachmuschelvorkommen und eine besondere Pflanze am Kanalufer mit viel Diskussionsbedarf.

Wir danken Herrn Westerhorstmann für seinen anschaulichen, informationsreichen Vortrag. Er hat uns ein bis dahin vielfach übersehenes Denkmal und Geschichte unserer Heimat näher gebracht.

 

OT 150 Höxter / Holzminden am 20.08.2010 Besichtung der Schlossbrauerei Rheder/Brakel

Eugen und Ruth hatten eine Besichtung der Schlossbrauerei Rheder/Brakel organisiert. Der ehemalige Mitarbeiter Felix Volkhausen ( war über 40 Jahre im Betrieb ) hat uns in einer interessanten Führung das heimische Brauwesen näher gebracht. Mit so mancher Anekdote aus den letzten Jahrzenten führte er uns durch die gesamte Produktion des Betriebes.

In Rheder wird seit über 300 Jahren bestes Bier nach dem Reinheitsgebot von 1516 mit Sorgfalt und höchstem Qualtitätsanspruch gebraut. Die Gräflich von Mengersen`schen Dampfbrauerei erhielt im Jahre 1686 das Braurecht verliehen und befindet sich nunmehr in der zehnten Generation in Familienbesitz.

Dem Zeitgeist und der Nachfrage entsprechend, werden in Rheder auch nichtalkoholische Getränke und Altbier hergestellt.

Ca. 25 Mitarbeiter brauen jährlich 30.000 Hektoliter Bier und füllen ca. 5 Millionen Falschen ab.

Im Anschluss an die Führung ging es zur Stärckung noch in den Biergarten der Orangerie. Bei schönstem Spätsommer Wetter wurde hier neben einem guten Essen auch so maches kühles Bier getrunken, getreu dem Spruch „Es lobt und trinkt ein jeder das gute Bier aus Rheder“

 

OT 231 Ludwigshafen am 19.08.2010 Reiseland Vietnam und Kambodscha.

Nach den Regularien entführten uns Uli und Horst mit ihren Bildern in das Reiseland Vietnam und Kambodscha.

Ein landestypisch geschnittenes schwarzes Hemd und auf dem Kopf einen Vietkonghelm - so schreitet unser Reiseleiter am heutigen Abend zur Tat, ihm assistiert Uli am Computer, ebenfalls in vietnamesischer Bluse und einem kegelförmigen Hut, der vor Sonne schützt, aber nicht für Computerarbeit geeignet zu sein scheint.

In jeder der angeflogenen Stationen, Hanoi, Hué, Saigon, und Kambodscha wurden Uli und Horst von einem einheimischen, deutsch sprechenden Führer ( DDR !!! ) und einem einheimischen Fahrer erwartet und während der gesamten Reisezeit begleitet. Dies ermöglichte ihnen natürlich einen sehr individuellen Reiseverlauf und vor allem interessante Erkenntnisse über Land und Leute - auch abseits der normalen Touristenwege.

Die Reise beginnt in Hanoi in einem Gewirr dicht aneinander gedrängter, schmaler Häuser, z.T. nur so breit wie ein Zimmer. So auch das Hotel , in dessen oberstem Stockwerk Uli und Horst den ersten Kontakt mit einem typisch vietnamesischen Frühstück machten. Erwähnenswert sind hier neben den hübschen jungen Damen im Áo dài natürlich die uns durch den ganzen Abend begleitende Nudelsuppe. Angesichts des tropisch feuchten Klimas ist der Start in den Tag mit einer mineralienreichen Suppe - für europäische Gaumen zwar ungewohnt – sehr angenehm, wie auch die gesamte vietnamesische Küche von beiden als sehr lecker, vielseitig ( wenn man von Fröschen absieht ), kalorienarm und vor allem nicht scharf beschrieben wird. „Vietnamesen essen alles , was vier Beine hat, außer Tische“ – nicht alles haben Uli und Horst probiert, was durchaus nachvollziehbar ist.

Das Leben auch inmitten der Großstadt findet auf der Straße statt , kochen, waschen, arbeiten, frisieren und vor allem dösen. Der Verkehr ist für Europäer gewöhnungsbedürftig. Wenn noch vor Jahren das Fahrrad das Hauptfortbewegungsmittel der Vietnamesen war, so ist es heute das Moped . Auf diesem wird in abenteuerlicher Weise alles transportiert, was man sich vorstellen kann – besonders die Käfige mit den vielen rosa Ferkeln sind mir in Erinnerung. Hierzulande würde der Tierschutz Sturm laufen! Durch kurze Einspielungen von Videosequenzen hatten wir einen sehr lebendigen Eindruck von vietnamesischen Alltagssituationen.

Beeindruckt waren wir von dem pragmatischen Verhalten der Vietnamesen beim Opfergang an kleinen Schreinen entlang der Straße. Anstelle echter Geldscheine werden fix Kopien angefertigt und diese als Brandopfer gebracht – die Götter werden es verzeihen! Ein Ausflug in die berühmte Halong - Bay zu den schwimmenden Dörfern endete für unsere beiden Lehrer natürlich in einem Klassenzimmer, umspült vom südchinesischen Meer.

Der nächste Flug führte nach Hué . Hier begleitete ein neuer Reiseleiter die beiden zur berühmten Kaiserstadt Hué. Von da ging die Reise über den Wolkenpass nach Hoi An ,wo sich Uli und Horst eine Woche am Strand von den vielen Eindrücken erholen konnten , bevor sie nach einem weiteren Flug in Saigon die Bildungsreise mit einem neuen Reiseführer z.B. zu den unterirdischen Gängen aus der Vietkongzeit fortsetzten. Bei einem Ausflug ins Mekongdelta fühlten sich unsere beiden Referenten wie Maharani und Maharaja, indem sie als alleinige Gäste auf einem typisch vietnamesischen Boot in bequemen Sesseln und natürlich mit Dusche und Toilette das quirrlige Leben im Delta bestaunten.

Der nächste Flug brachte Uli und Horst nach Kambodscha, genauer nach Angkor Wat , zu der größten Tempelanlage der Welt , entstanden in der Zeit der Kmer – Kultur im 12. Jahrhundert. Mit vielen Reiseeindrücken und einem Koffer voller Erinnerungsstücke kamen Uli und Horst nach einem Zwischenaufenthalt in Singapore wieder in Frankfurt an.

Wir danken für einen äußerst interessanten, kurzeiligen Reisebericht , der am Ende nach 1 1/4 Stunden uns kaum glauben ließ 500 Fotos gesehen zu haben. Vor allem in diesen Ländern erscheint eine Reise mit einem eigenen Reiseführer – noch dazu zu moderaten Preisen – eine ideale Lösung zu sein.

 

 

 

OT 107 Celle am 18.08.2010 Old-Tabler trifft Old-Timer

Unter dem Motto Old-Tabler trifft Old-Timer präsentierte Jost im liebevoll renovierten, ehemaligen Ochsenstall seine stattliche Sammlung von teilweise weit über 30 Jahre alten, voll fahrtüchtigen Automobilen. Erblich vorbelastet durch den Vater, entdeckte er 1974 beim Anblick eines im Vorgarten stehenden JAGUARs seine Vorliebe zu alten Autos. Jedoch trennten sich ihre Wege wieder aufgrund sich häufender Schwierigkeiten bei der Ersatzteilbeschaffung. Dessen ungeachtet war nun die Leidenschaft entfacht und die arme Seele fand schließlich im Erwerb eines Austin Healey, 3000 MK III ihren ersten Frieden. Einmal entfacht, ließ sich das Feuer nun nicht mehr löschen. Weitere Raritäten, wie ein JAGUAR 3,8 Ltr, MK 2, Bauj. 1967, ein ROVER Coupé 3,5 Ltr. oder eine MERCEDES Pagode komplettierten nach und nach seine Sammlung.

 

Dem Fachkundigen sowie dem interessierten Laien boten sich im weiteren Verlauf des Vortrags und während des anschließenden Rundgangs tiefe Einblicke in die Welt des Automobils. In seiner 125jährigen Geschichte durchlebte das Auto eine Anzahl von Innovationsschüben und ist heute als ein Stück Kulturgut aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Teilweise getrieben von Spekulationsgelüsten entwickelte sich in den letzten 20 Jahren ein reger  Markt für Old-Timer dessen Angebot und Nachfrage von Schwankungen des Dollars  diktiert werden. Sogar die praktisch nicht mehr existierende Autoindustrie in England profitiert von diesem Boom. Dort werden in leerstehenden Fabrikhallen von Spezialisten Ersatzteile für einen Markt gefertigt, der heute ein Volumen von 3,5 Mrd.€/Jahr !!! erreicht hat. Ca. 300000 registrierte Old-Timer bevölkern zurzeit Deutschlands Straßen, zu erkennen am „H“ für „Historisch“ auf dem Nummernschild und einem TÜV-Gutachten, welches Originalität und Verkehrssicherheit amtlich bestätigt.

 

Old-Timer müssen gepflegt, gewartet und bewegt werden. Hierbei erfährt Vater Jost tatkräftige Unterstützung von Sohn Moritz, der neben dieser Aufgabe begonnen hat, sich eine Sammlung von Young-Timern aufzubauen. Wer kann sich nicht daran erinnern, als erstmals im Jahre 1976 ein 112 PS starker GOLF 1 GTI, bestückt mit einer 4 Zylinder, 1,6 Ltr. Maschine, auf unseren Straßen für Aufsehen und heftige Diskussionen sorgte.

 

Man konnte sich des Eindrucks kaum entziehen, dass sich bei Vater und Sohn gleichermaßen Sammlerleidenschaft und Liebe zum Automobil ergänzen. Ja, da war bisweilen Verzücktheit bei Jost zu verspüren als er davon schwärmte, welches Gefühl ihn befällt, wenn Sonnenstrahlen die filigran gestaltete Holzarmatur seines JAGUARs MK 2 umspielen...

 

 

OT 117 Hannover am 10.08.2010 Museum für Energiegeschichte(n), Humboldtstr. 32, Hannover

Das Museum wurde vor rd. 30 Jahren von der „HASTRA“ gegründet. Unser engagierter Museumsführer erläutert anhand zahlreicher Beispiele die energiegeschichtlichen Meilensteine der letzten Jahrhunderte.

Die OT-Menschenkette erfährt mit Hilfe der Elektrisiermaschine (anno 1630) die Erzeugung und den Transport elektrischer Ladung am eigenen Leib. Maike – mutig, mutig – fungiert als flambierte Frau.

Die ersten Straßenlaternen in Form von Gasleuchten galten 1819 als „verwerflich“.

Weitere Stationen: Volksempfänger 1933, Ingelen-Radio (1. Weltempfänger). Mit dem DK 38 wurde 1938 der erste Ratenkauf in Deutschland eingeführt. Über Deutsche Grammophon und TEFI-Phon zum Tonband.

Auch an die Unterstützung der Hausfrau ward gedacht: vom Staubsauger- Kesselwagen in London bis zum Staubsauger-Aufsatz als Fön, vom real existierenden Eisschrank zum Kühlschrank; die ersten elektrischen Lockenwickler ermöglichten der Hausfrau eine 6-stündige Abwesenheit vom Herd.

Neben Herzschrittmachern stoßen wir auf antiquierte Zahnbohrer, die heute noch in einigen Urlaubsländern vorzufinden sind.

Zum Abschluss der Führung wird die Funktion des „Quecksilberdampf-Gleichrichters (AEG, 1928) erläutert. Wohl dem, der`s verstanden hat.

Ein hochinteressanter Abend geht bei Speis und Trank im Rahmen eines ungeplanten „midnight-dinners“ zu Ende.

 

OT 15 Freiburg am 05.08.2010 „Schulbildung: Wie viel Chancengleichheit muss sein ?“

Einige Splitter aus der Diskussion:

• Einführung Jörg: Im Rahmen der Hamburger Reformdebatte sind die „Apostel der sozialen Gleichheit & Gerechtigkeit“ auf den Plan getreten. Aber ist das überhaupt möglich? In der frz. Revolution war Égalité die Gleichheit vor dem Gesetz, nicht die Chancengleichheit. Die Wissenschaft liefert keine Erkenntnisse dafür, dass Leistungsstärkere länger mit –schwächeren zusammen sein sollen, so wie in Hamburg gefordert. Entscheidender sind Elternhaus und Herkunft. Eine „kompensatorische Schulbildung“ ist nur bedingt möglich und erfolgreich.

• Auf den Gymnasien gibt es zu wenig Kontakt zum „richtigen Leben“.

• Das 3-teilige Schulsystem liefert bessere Ergebnisse als die Gesamtschulen. Emil verweist darauf, dass bspw. auf dem „Staudinger“ die besten Schüler in Latein zeitweise bis zu 2 Jahren hinter vergleichbaren Gymnasiasten zurück waren. Unter dem Aspekt der Chancengleichheit brauchen wir auch die Hauptschule: Viele Kinder können hier besser gefördert werden.

• Beispiel anhand eines Vergleichs von Bremen und BW: Bei der Pisa-Studie war Bremen (höchster Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund) am Ende, BW dagegen schnitt deutlich besser ab (trotz eines ebenfalls nicht geringen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund).

• Eine Gesamtschule kann auch „Sprungbrett für Spätentwickler“ sein, aber: Soll sich das Schulsystem an den Spätentwicklern orientieren?

• Der Versuch, jedem Schüler gerecht zu werden, z.B. in Montessori-geprägten Schulen, erfordert einen hohen organisatorischen und pädagogischen Aufwand für die Lehrer.

• Man muss mehr Mittel in die Hand nehmen, aber die Hilfen müssen beim Kind ankommen.

• Nicht die Ausstattung alleine ist entscheidend.

• Für mehr Chancengleichheit muss man möglichst früh anfangen, z.B. in kleinen Gruppen bei Tagesmüttern (schon ab 1 ½ bis 2 Jahren). Vor allem für „Unterschichtkinder“ muss viel getan werden. Der Vorsprung der „gut behüteten“ Kinder ist uneinholbar. Daran ändert sich auch nichts, wenn man sie länger zusammen lässt.

• Auch in den Kindergärten wird viel Potenzial verschenkt.

• Zuwanderung bringt im Schnitt ein niedrigeres Bildungsniveau. Allerdings lassen sich große Unterschiede in den Leistungen der Schüler je nach Land der Herkunft feststellen.

• 40% der Hochschulstudenten kommen über die beruflichen Gymnasien.s

• „Wir haben die Schule, die unsere Gesellschaft produziert“ oder: Die Gesellschaft spiegelt sich eben auch in der Schule wider.

• Es kommt auf die Lehrer und die Qualität des Unterrichts an, weniger aufs System.

• Die Schule ist heute mehr mit Erziehung beschäftigt als mit der Vermittlung von Wissen.

• Wir brauchen möglichst viel gut Ausgebildete – keine Nivellierung!

• Weitere Themen: Schuluniform – Qualitätssicherung – Föderalismus

 

OT 18 Wiesbaden am 04.08.2010 Führung durch die neue Kellerei der Staatsweingüter:

Die hessischen Staatsweingüter sind mit rund 210 Hektar Rebfläche das größte Weingut Deutsch-lands. Der historische Kern des Betriebs ist das im Jahr 1136 gegründete Kloster Eberbach, eine ehemalige Zisterzienserabtei. Besonders bekannt sind die Weinberge der Lage „Steinberg“ in un-mittelbarer Nachbarschaft des Klosters, dessen 30 Hektar mit einer 3.000 Meter langen mittelalter-lichen Mauereinfriedung einmalig in Deutschland sind und ein Markenzeichen der Staatsweingüter darstellen. Die neue Kellerei der Staatsweingüter grenzt unmittelbar an den „Steinberg“ an der Straße zwischen Hattenheim und Kloster Eberbach gelegen, dort entstand bis zum Jahr 2008 ein weitestgehend unterirdischer Weinkeller als zentrale Kellerei der Staatsweingüter. Unter den ange-pflanzten Reben warten Beton, Glas, Edelstahl und Technik für knapp 16 Millionen Euro darauf, die Trauben von der Anlieferung bis zur fertigen Flasche zu verarbeiten. Die Trauben erfahren dabei eine schonende Behandlung nach dem letzten Stand der Weinbautechnik. Im Vordergrund stehen Qualität und Flexibilität. Bis zu 140 Tonnen Trauben können täglich verarbeitet werden, bei der An-lieferung fallen diese durch eine Öffnung in der Kellerdecke direkt in eine der pneumatischen Pressen, von dort fließt der Most in die deckenhohen Edelstahlzylinder, wo sich Weinstein und Trübstoffe absetzen. Dies geht ohne Pumpen sondern u.a. mit aufblasbaren Leinentüchern in den Rohren. Erst für den Weg in einen der rund 200 Gärtanks reicht die natürliche Schwerkraft nicht mehr aus. Im Keller soll die Temperatur konstant zwischen 12 und 14 Grad liegen. Terrakotta¬farbene Fliesen und Eichenbohlen bringen wenigstens etwas optische Wärme in die kalte Funktio¬nalität von Sichtbeton und poliertem Stahl, eine in den Hang geschnittene Lichtfuge lässt Tages¬helle ein.

1,5 Millionen Flaschen Wein können dort lagern und fast 1,9 Millionen Liter Rebensaft in Edelstahl-tanks und Holzfässern, in denen u.a. die ersten Gewächse ausgebaut werden. Klimatisch begüns-tigter Standort und geeigneter Boden aus klassifizierten Lagen, sowie beim Ausbau zu berücksich-tigende Bedingungen wie ein spezieller Rebenschnitt und selektive Handlese, die zu einem höheren Mostgewicht führen sollen, sind Merkmale für ein „erstes Gewächs“.

Man hat vor Ort den Eindruck, dass die hitzigen Diskussionen um den Neubau zusammen mit der Kellerei im Boden versenkt wurden und so wartet der unsichtbare Koloss darauf, alsbald mit Beginn der Weinlese seine Stärken auszuspielen.

Im Namen der Anwesenden bedankte sich Gero für die Führung und Verkostung einiger vergorener Gewächse. Nach dem Umzug in den Gutsausschank Im Baiken der Hessischen Staatsweingüter in Eltville und der Wiedervereinigung mit der restlich dort bereits wartenden Tablerschaft konnte der Abend in den Weinbergen mit vielen guten Gesprächen beschlossen werden. Zusätzlich konnten wir die Tabler von RT 163 Rheingau ebenfalls auf der Terrasse begrüßen, die anlässlich ihres Tischabends Holm Hümmler von RT 18 Wiesbaden zum Vortrag zu Gast hatten.

 

 

OT 33 Celle am 03.08.2010 „Das Unternehmen MIELE“ „Vertrieb und Logistik – Logistik eines Weltkonzerns“

Unter dem Leitspruch „Immer besser“ hat sich das Familien-Unternehmen MIELE in den letzten 110 Jahren zu einem Traditionsunternehmen für weiße Ware und Professional-Geräte entwickelt. Mehr als 16.000 Mitarbeiter tragen heute dazu bei, die mehr als 30.000 Händlerkunden weltweit mit Miele-Produkten zu beliefern. Zur Produktpalette gehören Waschautomaten, Trockner, Elektroherde und Backöfen, Geschirrspüler, Dunstabzugs-hauben, Staubsauger, Bügelmaschinen, Professionalgeräte und vieles andere mehr.

Der Umsatz bezogen auf das Geschäftsjahr 2008/2009 beläuft sich auf 2,77 Milliarden Euro, davon werden etwa 70% im Ausland erwirtschaftet.

Die Firmenphilosophie ist gekennzeichnet durch die sprichwörtliche Miele-Qualität, die Langlebigkeit aller Produkte und einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Fachhändlern in Deutschland und im Ausland. Die kundennahe Vertriebsorganisation besteht aus mehr als 45 Vertriebsgesellschaften in allen Ländern Europas sowie in Überseeländern auf allen 5 Kontinenten mit einem einheitlichen, designorientierten und wertigen Markenauftritt.

Die Versorgung der Vertriebssysteme erfolgt über ein zentrales Logistiksystem aus Gütersloh heraus. Das heißt, alle Produkte werden vor der Auslieferung an die Miele-Kunden zunächst von den Miele-Werken nach Gütersloh transportiert, dort dann zu Sendungen an die Lager der Vertriebsgesellschaften oder an Kunden in Deutschland kommissioniert und ausgeliefert.

Alle großen Werke liegen in unmittelbarer Nähe (Ostwestfalen) des Zentrallagers; so sind alle Produkte schnell verfügbar. Die Miele-Qualitätsprodukte werden traditionell mit einer hohen Fertigungstiefe in 12 Geräte- und Zulieferwerken im wesentlichen in Deutschland produziert.

Die Logistiksysteme, wie etwa die Lager oder auch die Planungssysteme, sind sehr hoch automatisiert, wodurch kurze Durchlaufzeiten und hohe Logistikqualität gewährleistet werden kann. Der Transport der Ware an die Miele-Kunden erfolgt international über eine Vielzahl unterschiedlicher Transport - Dienstleister, dabei werden alle Verkehrsträger, wie die Bahn, das Schiff, das Flugzeug und der LKW eingesetzt.

Dank an Herrn Dr. Schwinning für den spannenden und informativen Vortrag.

 

OT 159 Heide am 02.08.2010 "Seehunde"

Herr Kolle, Seehundjäger und Küchenmeister in Büsum, erzählte uns in beeindruckender Form etwas über den Seehund.

Es gibt ca. 8400 Seehunde an der deutschen Nordseeküste. Sie unterliegen dem Jagdrecht und gehören zum Hochwild, stehen jedoch seit Anfang der 70iger Jahre unter Schutz. Seehundjäger benötigen eine besondere Ausbildung. Sie müssen im Besitz eines Boottsführerscheines und eines Jagdscheines sein. Sie werden besonders geschult in der Anatomie der Küstenbewohner.

Aufgaben eines Seehundjägers sind das Betreuen von kranken und verletzten Tieren im Wattenmeer. Auch das Bergen von Totfunden im Wattenmeer sowie das Töten von schwer verletztem Wild gehören mit dazu

Gefundene Tiere (Heuler) werden in die Seehundaufzuchtstation nach Friedrichskoog gebracht. Im Moment befinden sich dort 86 Heuler, die auf die Auswilderung vorbereitet werden. Heuler sind verlassene Jungseehunde die an den Stränden und im Wattenmeer gefunden werden. Gründe für das Auftreten von Heulern sind Störungen durch Menschen, Zwillingsgeburten, schlechte Wetterlage und Störungen durch Flugzeuge.

 

 

 

 

OT 121 Braunschweig am 02.08.2010 „Raub und Mord, das war mein Metier“

Unter dem Motto „Raub und Mord, das war mein Metier“ schilderte Peter seine mehr als zehnjährige Tätigkeit als vorsitzender Richter einer Schwurgerichtskammer.

Er beschrieb die einzelnen Phasen des Weges von der Anklage bis zum Urteil, welches bei ihm mehr als 20x lebenslänglich lautete. Spektakuläre Verfahren waren ebenso dabei, wie der einfache Mord. Seelische Belastungen durch das Leid der Täter und der Opfer, Bedrohung und Personenschutz, Dienstaufsichtsbeschwerden und Anzeigen wegen Rechtsbeugung begleiteten sein Berufsleben. Peter war so richtig in seinem Element, sodass er auf seine Frage „wollt Ihr noch was über die Tätigkeit als Schiedsmann hören?“ nur Zustimmung fand.

Als Schiedsmann ist er von der Stadt Braunschweig auf vier Jahre für einen bestimmten Stadtbezirk bestellt. Hauptsächlich sind Nachbarschaftsstreitigkeiten zu schlichten.

Anhand von Beispielen schilderte Peter, was zwischen Nachbarn so alles zum Streit führen kann. Seine Erfolgsquote gibt Peter mit 80 % an.

 


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