2 Leserbriefe [Uli Schrafnagel]

Liebe Leser der Homepage,

ein paar Tage nach dem AGM in Weimar hatte ich 2 Leserbriefe für die Depesche geschrieben, um diese in die Berichterstattung über das AGM mit einfließen zu lassen. Dies wurde mir durch den OTD-Präsidenten verwehrt mit dem Hinweis, dass der Redaktionsschluss für die neue Depesche bereits überschritten sei. Der Redaktionsschluss für die neue Depesche lag in der Tat vor dem AGM, nämlich am 12. Mai 2019. Offenbar war von vornherein nur noch Platz für die Berichterstattung über das AGM gelassen worden. Deswegen habe ich um Veröffentlichung meiner beiden Kommentare auf der Homepage gebeten.

YiT
Uli Schrafnagel
schrafnagel@t-online.de
(OTD-Präsident 2006/2007)

Zwischenruf!
Nach etlichen Jahren gab es beim AGM mal wieder eine Stimmzettelwahl.

Zur Wahl standen jeweils ohne Gegenkandidaten der OTD-Präsident, der OTD-Sekretär, der OTD-Schatzmeister. Für das Amt des OTD-Vizepräsidenten standen 2 Kandidaten zur Auswahl, nämlich Arno Faust und Christoph Weimann.

Die Stimmzettel für die Wahlen ohne Gegenkandidaten waren vorbereitet mit den Ankreuzmöglichkeiten Ja, Nein, Enthaltung; für die Wahl zum Vizepräsidenten waren die beiden Namen vorgesehen und die Enthaltung.

Wenn man ehrlich ist, dann hatte der zweite Kandidat Christoph Weimann eigentlich keine Chance, gewählt zu werden. Dass er dennoch so viele Stimmen erhielt, hat viele überrascht, und das hat auch mit dem Bild und dem Verhalten des neuen Präsidenten zu tun. Als Tischvorlage gab es einen Vordruck mit Namensnennung und einem Bild aller Kandidaten – aber es fehlte dabei der zweite Kandidat Christoph. Jedem wurde dadurch doch insgeheim einsuggeriert, dass man schon die Zustimmung zum Vorschlag des Präsidiums erwarte.

Eine demokratische Wahl ohne Beeinflussung? Wohl kaum; war aber sicherlich auch so gewollt?

Vor dem Wahlgang hielt der ohne Gegenkandidat angetretene mögliche künftige OTD-Präsident eine flammende Rede zum Thema Freundschaft, Toleranz etc. Und nach der Vorstellung der beiden Kandidaten für das Amt des OTD-Vizepräsidenten wurde dem nun zu wählenden künftigen Präsidenten die ganz einfache Frage gestellt, ob er sich denn eine Zusammenarbeit mit jedem der beiden Kandidaten vorstellen könne. Bei der Beantwortung hätte ein einfaches Ja oder Nein genügt – er aber eierte herum und zog sich dann hinter die Bemerkung zurück, dass der Vorschlag Arno Faust eben ein Präsidiumsbeschluss sei, und dem sei nichts weiter hinzuzufügen. Von einem zu wählenden OTD-Präsidenten hätte ich mir gerade in dieser Situation eine größere Souveränität erwartet.

Kein Wunder, dass der neue OTD-Präsident auch prompt nur 74 Ja-Stimmen von den 108 abgegebenen bekam, also eine Nichtzustimmung von 34 Stimmen (19 Nein-Stimmen, 15 Enthaltungen). Das war auch für mich ein Novum! Ich hätte nun erwartet, dass er sich hinstellt und um das Vertrauen auch derer bittet, die ihn nicht gewählt haben. Schade, Herr Präsident!

Die Abstimmung für den künftigen Vize ergab für Arno 62 Ja-Stimmen und für Christoph immerhin 40 Ja-Stimmen – für OTD-Verhältnisse knapp.

Ein Zwischenruf von Uli Schrafnagel, OTD-Präsident 2006/2007


50 Jahre Old Tablers Deutschland – Chance verpasst

Wir waren in diesem Jahr in Weimar zu unserem alljährlichen AGM zusammengekommen, um u.a. das jährliche Wahlritual für ein neues Präsidium vorzunehmen, aber dies wollten wir eigentlich verbunden wissen mit einer kleinen Erinnerung an die vergangenen 50 Jahre. Für die große Mehrheit der Teilnehmer war dies jedenfalls ein wichtiger Aspekt.

Erinnerungen sind wichtig, gerade an einem Ort wie Weimar mit seiner für Deutschland so wesentlichen Geschichte! Einen noch besseren Ort für ein historisch begleitetes, in die Zukunft ausgerichtetes AGM konnte es doch kaum geben:

100 Jahre erste deutsche demokratisch entwickelte Verfassung und 50 Jahre OTD.

Und was wurde daraus?

Die Weimarer hatten ein wirklich tolles Programm zusammengestellt: Eine ausgesprochen interessante Pre-Tour und gute Räumlichkeiten für die Veranstaltungen; um ein Jubiläumsprogramm hätte sich nun allerdings das OTD-Präsidium (natürlich in enger Absprache mit den Weimarern) kümmern müssen. Davon habe ich jedenfalls nichts bemerkt!

Das Präsidium hatte die ehemaligen OTD-Präsidenten, zwei Witwen, ein Ehrenmitglied, den RTD-Präsidenten, Vertreter der Damenorganisationen LCD und TC und einen der internationalen Pastpräsidenten (Anm. 1: hatte man den eigenen dabei eigentlich übersehen?) zu einem festlichen Dinner eingeladen.

Abgesehen von einer sehr launigen und mit feiner Ironie gespickten Ansprache von Herbert Kaiser, ehemaliger OTD-Präsident und OTD-Ehrenmitglied, war sonst vom Jubiläumscharakter beim besten Willen nichts zu spüren.

Auch anlässlich der Delegiertenversammlung wurden weder die anwesenden ehemaligen Präsidenten von 41-international, immerhin 5 an der Zahl, geschweige denn die anwesenden ehemaligen OTD-Präsidenten, immerhin auch stolze 12, genannt, was in der Regel überall üblich ist. Hier geht es nicht um Personenkult, sondern ganz einfach um Respekt vor dem, was die Vorgänger für OTD geleistet haben (Anm. 2: zeitlich gesehen hätte das maximal fünf Minuten gedauert).

Jeder Schrebergartenverein, jeder Schützenverein hätte ein solches Jubiläum festlicher gestaltet.

Ich kann mich, gerade im Nachhinein, des Eindrucks nicht erwehren, dass dies vom OTD-Präsidium auch gar nicht gewünscht war.

Das zeichnete sich ja schon im Vorfeld ab. Und da wundert man sich, wenn sich einige Interessierte, die sich schon lange gut kennen, ein paar Wochen vorher Gedanken machen, wie es mit OTD weitergehen soll?

Ich jedenfalls wünsche dem neuen OTD-Präsidium, dass es unsere Geschichte nicht einfach nur Geschichte sein lässt. OTD wird sich weiter entwickeln. Aber vergesst es nicht: Wir haben uns alle, jeder mit seinen Möglichkeiten, auch recht erfolgreich für OTD eingesetzt. Darauf sind wir stolz und lassen uns das auch nicht klein reden.

In Weimar hat das OTD-Präsidium eine wirklich gebotene Chance völlig verpasst.

Uli Schrafnagel (OTD-Präsident 2006/2007)