500 Jahre Spargel – Vortrag von Reinhard Gundel am 03.05.2017 vor OT 154 Dillingen-Lauingen

Vortrag von Reinhard Gundel am 03.05.2017 vor OT  154 Dillingen-Lauingen zum Thema

Spargel

Geschichte:
Bereits 500 vor Chr. wurde Spargel als Heilpflanze in China, Persien und Griechenland verwendet. Die Römer führten dann den Spargel erstmals als Speisepflanze auf. Cato verfaßte 160 v.Chr. die erste Spargelanbau-Anleitung. Apicius fertigte um Christi Geburt das erste Spargelrezept. Im späten Mittelalter wurde der Spargel in Klostergärten angebaut und ausführlich in Kräuterbüchern behandelt.

Im 17. Jhdt. ließ Ludwig der XIV ein Spargelgericht für seine Geliebte Louise Lavallie´re kreieren, was heute noch unter „Filet Lavalliére“ bekannt ist. Auch wurde die Béchamelsauce von dem Haushofmeister am Hofe Ludwigs XIV erfunden.

1760 hat man dann den Bleichspargel entdeckt, d.h. man hat herausgefunden, daß die Spargelsprossen weiß bleiben, wenn man sie in der Erde verbleiben und somit nicht ans Tageslicht (keine Photosynthese!) geraten. Nachteil ist, man muß die Erde zu großen Beeten aufhäufeln, die Spargelsprossen unter der Erde abstechen und den gestochenen Spargel auch noch schälen. Der weiße Spargel (Bleichspargel) schmeckt gegenüber dem grünen Spargel zarter und milder.

Wirtschaftliche Bedeutung erlangte der Spargel erst im 20. Jahrhundert. „Spargelhochzuchtgesellschaften“ und „Europäische Spargel-Vorschriften“ wurden verfaßt. 1985 wurde das „Deutsche Spargelmuseum in Schrobenhausen“ eröffnet.
Auch namhafte Künstler befaßten sich mit dem Thema Spargel

Botanik:
Spargel (Asparagus) ist eine Staude, die im Winter als Wurzelstock überdauert und im Frühjahr wieder austreibt. Der uns bekannte Gemüsespargel (Asparagus officinalis L.) ist nichts anderes als die Sprossen dieser Staude. Die Spargelpflanze bringt erst nach ca. 3-4 Jahren den vollen Ertrag. Nach 6-10 Erntejahren muß dann wieder neu angepflanzt werden. Die Spargelsaison dauert ca. 10 Wochen von Mitte April bis zum Johannitag am 24.06. Die Ernte muß dann beendet werden, damit die Pflanze durch Assimilation wieder ausreichend Nährstoffe für die nächste Saison bilden kann.

Die Erstpflanzung erfolgt im zeitigen Frühjahr in einem Abstand von ca. 0,50 m in Beeten mit einem Abstand von ca. 1,80 m. Spargelpflanzen brauchen viel Platz. Die Pflanzung erfolgt i.d.R. mit maschineller Hilfe, insbesondere für das Anhäufeln der Beete. Von wesentlicher Bedeutung ist auch die Beschaffenheit bzw. Aufbereitung des Bodens. Dieser sollte leicht, sandig und wasserdurchlässig sein. Zur Nähstoffversorgung sollte der Humusanteil ca. 5 % betragen. Entsprechende Bodenverhältnisse sind in den bekannten Anbaugebieten bei Schwetzingen, Volkach, Bruchsal, Abensberg, Brandenburg und Schrobenhausen anzutreffen. Das Wachstum des Spargels wird auch wesentlich von der Temperatur beeinflußt, weßhalb die Spargelbeete vielfach mit Folie abgedeckt werden.

Anbau und Vermarktung:
Geerntet wir der Spargel überwiegend von Erntehelfern bzw. -helferinnen, zumeist aus Polen. Darüberhinaus gibt es halbautomatische und auch vollautomatische, lasergesteuerte Erntemaschinen.

Damit der weiße Spargel sich nicht verfärbt, muß er „gestochen“ werden bevor er das Tageslicht erblickt. Sobald sich in der Erde über den Spargelspitzen Risse abzeichnen, ist daher die Spargelsprosse behutsam mit Spachtel freizulegen und mit dem Stecheisen unter der Erde abzuschneiden.

Nach der Ernte wird der Spargel in 3 Klassen sortiert:
Klasse I: Ø 12-26 mm, gut gewachsene Stangen, unbeschädigt, gerade
Klasse II: ab Ø 12 mm, weniger gut gewachsene Stangen, leichte Biegung
Klkasse III: ab Ø 10 mm, stärkere und unregelmäßige Biegung, Kopf leicht geöffnet
Der Spargel besteht zu 93% aus Wasser, ist kalorienarm und gesund. Spargel enthält Asparaginsäure und wirkt daher entwässernd. Desweiteren enthält er für die Blutbildung wichtige Mineralien. Weniger zu empfehlen ist Spargel bei Personen mit erhöhten Harnsäurewerten, da der Verzehr die Gefahr zu Gichtanfällen erhöht.

Aus dem 16. Jhdt. Ist zudem nachfolgender Spruch überliefert.
“Spargel in der Speiss genossen, bringt lustige Begierde den Männern.”
Leider wollte unser „Doc Elmar“ die medizinischen Hintergründe hierzu nicht erläutern.
Spargel ist in Deutschland hinsichtlich der Anbaufläche das Gemüse Nr.1. In 2016 wurden auf einer Anbaufläche von 22.274 ha 120.000 t Spargel geerntet! Soviel Spargel wie nie zuvor. Der Anteil des grünen Spargels ist in den letzten Jahren von 6 % auf 11% gewachsen.

Der Spargelpreis ist aufgrund des intensiven Arbeitsaufwandes hoch und unterliegt starken Schwankungen. Nach einem hohen Anfangspreis geht der Preis dann im Verlauf der Saison mit steigendem Ertrag üblicherweise zurück. Auf dem Viktualienmarkt wird Spargel bis zu einem Preis von 16 €/kg angeboten. In unserer Region sind Preise für die Klasse I/II zwischen 8 und 11 €/kg üblich.