Brasilien oder Israel, Hauptsache unterwegs mit der Tablerfamilie! [Antje Meyn, TC3 Kiel]

Wahrscheinlich werden sich bei dieser Überschrift viele fragen, was haben Brasilien und Israel miteinander zu tun? In unserem Fall sehr viel, denn wären wir letztes Jahr nicht in Brasilien gewesen,  wären wir dieses Jahr nicht nach Israel gekommen. Letztes Jahr hatte Christoph Weimann gemeinsam mit seinem brasilianischen Freund Alberto anlässlich einer Charterfeier  von 41 Sao Paulo eine Rundreise durch Brasilien organisiert. Als sich herausstellte, dass Alberto Jude ist und Familie in Israel hat, haben wir ihn gebeten, eine Reise dorthin zu organisieren, was er natürlich gerne gemacht hat.

Und somit ging es dieses Jahr, wenn auch nur mit einer kleinen Gruppe von 16 Leuten, auf nach Israel. Mit dabei waren Albrecht (41er) und Gerrie aus der Schweiz , Ruth und Barbara aus England  (Tangent!), Lawrence und Andy aus England (41er), von OTD Christoph Weimann und Peter Weinfurtner aus Süddeutschland und aus Kiel Julia und Krischan, Rike und Bernd, Claus und ich (drei Ladies von Agora!), außerdem ein brasilianisches Paar, das über Alberto zu uns gestoßen waren. Hinzu kamen dann noch unser Guide Yoram und unser Fahrer Albu. Da die Brasilianer kein Englisch sprachen, musste unser Guide immer zwischen Englisch und Portugiesisch hin- und her wechseln,  was er sehr gut machte. Wir hatten ohnehin sehr viel Glück mit ihm!

Begonnen haben wir unsere Reise in Tel Aviv, einer sehr modernen Großstadt. Schon beim ersten Zusammentreffen war klar, dass wir es gut haben würden miteinander.

Natürlich wollten wir uns in erster Linie dieses doch so besondere Land ansehen, wir wollten aber auch Kontakt haben zu den Ladies und Tablern vor Ort. So bekamen wir dann gleich an den ersten beiden Abenden Besuch von Ariel von 41 Tel Aviv, Ricky von Tangent Tel Aviv und Marie Jaenne von Agora Tel Aviv. Die beiden Ladies hatten sich vorher abgesprochen. Wie immer bei Treffen mit Ladies aus beiden Clubs stellen sich alle die Frage, warum es zwei internationale Clubs gibt.

Israel ist ein Land mit so viel Sehenswürdigkeiten, so viel Geschichte, so viel Kultur, dass es nicht möglich ist, dieses in einem kurzen Bericht darzustellen. Und das kann jeder in einem Reiseführer nachlesen. Ich möchte euch lieber von den Dingen und Erlebnissen berichten, die nicht im Reiseführer stehen. Zum Beispiel, dass dieses Land meist  von sehr großen Pilgergruppen (30-50 Personen) besucht wird und dass entsprechend groß eben auch die Hotelkapazitäten bzw. die Hotels selbst sein müssen.  Unser Hotel in Tiberias war so groß wie ich noch nie eines besucht hatte, der Speisesaal so groß, dass das Wort Fütterung eine ganz neue Bedeutung bekommt. Aber die Leute müssen nun mal alle irgendwo untergebracht werden. In diesem Hotel machten wir dann Bekanntschaft mit einem Shabbat-Aufzug: da die Juden zwar den Aufzug benutzen dürfen, ihn aber nicht in Gang setzen dürfen, hält der Aufzug in jedem Stockwerk selbsttätig. Wenn man dann etwas höher wohnt, dauert es einige Zeit bis man am Ziel ankommt.

An einem Tag war Regen und Nebel, worüber wir natürlich nicht erfreut waren. An dem Tag ging es auf die Golanhöhen, die die Israelis 1967 von Syrien annektiert haben.  Aus dieser Zeit stammten die Schützengräben, unterirdischen Gänge und bunkerähnliche Anlagen. Auf dem  Gelände waren Metallskulpturen in Form von Soldaten aufgestellt worden. Die sahen im Nebel aus wie Schatten von echten Soldaten mit  Maschinengewehren im Anschlag ….. das war ein wenig unheimlich. Wenn die Sonne geschienen hätte, hätten wir einen schönen Tag auf einem Berg gehabt, aber so……….wie gut, dass es neblig war.

Nachdem wir wie eben beschrieben die Golanhöhen, aber auch Caesarea, den wunderschönen Bahai-Garten in Haifa, die Verkündigungskirche in Nazareth, mit Jericho die älteste Stadt der Welt, die Brotvermehrungskirche in Tagbah, Qumran, wo die ältesten Schriftrollen der Welt gefunden worden sind,  und vieles andere mehr besucht hatten, hatten wir uns  etwas Freizeit verdient und zwar am Toten Meer.

Ich gehöre zu den Leuten, die nicht gerne ins Wasser gehen. Aber die Chance, im Toten Meer zu baden, konnte ich mir nicht nehmen lassen. Also ab ins Wasser und das bitte ohne Plantschen, denn ganz schnell hat man das Salzwasser im Auge. Bei 35% Salzgehalt will das keiner! Und wie kommen wir nun in die bequeme Liegeposition, bei der die Arme und Füße aus dem Wasser gucken? Einfach hinsetzen! Das war einfach, aber wie, bitte schön, komme ich wieder auf die Füße und somit aus dem Wasser? Das war schwieriger: man musste die Beine anziehen und sich dann noch unten abstoßen. Ich habe mir von Claus helfen lassen…….Auf jeden Fall war das ein ganz besonderes Erlebnis: man kann nicht untergehen!

Der Höhepunkt unserer Reise war Jerusalem. Wir hatten das große Glück in einem kleinen Hotel am Rande des jüdischen Viertels zu wohnen.  Natürlich haben wir dort alle nur möglichen Sehenswürdigkeiten besucht. U.a. sind wir die Via Dolorosa mit den 14 letzten Stationen von Jesus gegangen. In der Grabeskirche, die sich alle christlichen Konfessionen  teilen, war es für unsere Begriffe (früh morgens!) sehr voll. Yoram wies uns daraufhin, dass es solange wir gehen können, noch lange nicht voll ist. Trotz, aber vielleicht auch wegen der vielen gläubigen Menschen, war eine Spiritualität zu spüren, die immer noch, gerade jetzt zur Weihnachtszeit, nachklingt.   

Das gleiche gilt für die  Geburtskirche in Bethlehem, wo  wir nur eine Stunde angestanden haben, um an die Stelle von Jesu Geburt zu kommen. Ich denke, wir alle haben es als großes Geschenk empfunden, an diesen für unseren Glauben so wichtigen Plätzen gewesen zu sein.

Jedoch mögen wir uns all diese Orte nicht zu Weihnachten oder womöglich zu Ostern vorstellen.

Hinzu kommt neben der Fülle von Menschen die Kommerzialisierung des Glaubens. So waren wir z.B. in Yardenit am Jordan, wo sich Jesus von Johannes hat taufen lassen. Die Menschen kommen in großen Gruppen, kaufen sich alle (!) ein weißes Gewand, um damit in den Jordan gehen und sich taufen zu lassen. Dass es einen großen Shop mit entsprechenden Devotionalien gibt, versteht sich von selbst.  Wir waren übrigens immerhin mit den Füßen im Wasser……. So ganz konnten wir uns dem dann doch nicht entziehen.

So war es übrigens auch in Bethlehem. Bevor wir dort die Geburtskirche Jesu besuchen konnten, wurden wir vor einem großen Shop abgesetzt!

Übrigens liegt Bethlehem in Palästina und das sogar in Zone A, einer von drei Zonen in die Palästina eingeteilt ist. Wenn man in die Zone B oder C fährt, ist es sehr entspannt, man merkt nicht einmal, dass man in einem anderen Gebiet ist. Mit Zone A ist es anders: dorthin durfte unser Guide nicht mitfahren, denn er wäre dort u.a. nicht versichert gewesen. Auf dem Weg nach Bethlehem fährt an der Mauer entlang, durch die es von Jerusalem bzw. Israel getrennt wird. Wir alle fühlten uns an Berlin erinnert. Wie schön, dass Deutschland die Trennung überwunden hat.

Ich könnte noch so viel erzählen……

vielleicht noch ein paar Worte zu unserer Gruppe. Jeder hat auf den anderen aufgepasst, keiner konnte verloren gehen. Lawrence hatte für diese Reise um einen Rollstuhl gebeten, weil die zum Teil langen Wege für ihn zu beschwerlich gewesen wären. Selbstverständlich fand sich immer einer, der ihn geschoben hat. Wir haben uns prima verstanden und hatten sehr viel Spaß.

Eine Fahrt nach Israel ist kein Urlaub, dafür aber eine ganz besondere Reise. Wir alle haben sehr viele Eindrücke und Erlebnisse mit nach Hause genommen, es war so viel, dass uns einiges erst beim Sichten der Fotos wieder bewusst wurde.

Wir können eine Reise nach Israel jedem empfehlen, der an Geschichte, Kultur und Religion interessiert ist. Und was wir vor allem immer wieder empfehlen können, sind Reisen  und Unternehmungen mit Ladies oder Tablern aus der großen Tablerfamilie. Deswegen  an dieser Stelle ein großes Dankeschön an Christoph und Alberto. Wie am Anfang erzählt: ohne die Reise nach Brasilien, hätte es die Reise nach Israel nicht gegeben. 

Antje Meyn
TC3 Kiel