Medienlandschaft im Norden

von Dr. Helge Matthiesen – Chefredakteur des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags

Vortrag vom 14.02.2013Matthiesen_Helge

Der Referent geht zunächst allgemein auf das Thema „Medienkrise“ ein, zu nennen sind die Beispiele Frankfurter Rundschau, Financial Times Deutschland oder auch das Hamburger Stadtmagazin Prinz. Probleme verzeichnet auch die Süddeutsche Zeitung. Helge Matthiesen betont, dass es für (zumindest für den sh:z) keine „Print-Krise“ gibt, es wird (auch in anderen Verlagen) noch eine gute Rendite erzielt.

Gleichwohl es in Norderstedt keine echte Lokalzeitung gibt, so haben gewisse Anzeigenblätter z.T. ein anspruchvolles Niveau. Die Regionalzeitungen müssen eigene Antworten auf das Internet finden, dass sicherlich als eine wesentliche Ursache für gewisse Krisenanzeichen in der Branche auszumachen ist. Weitere Probleme sind der erhebliche Bevölkerungsschwund in den Dörfern. Die Basis der Leserschaft ist brüchig, was zunehmend auch auf das andere Informationsverhalten von Migranten zurückzuführen ist. Klar ist, dass Anzeigenblätter Druck auf regionale Lokalzeitungen ausüben. Die älteste Holsteiner Zeitung ist die Glückstädter Fortuna von 1740. Die älteste Norderstedter Zeitung war der „Steertbock“, der leider nicht tragbar war, womit wir wieder beim Norderstedter Problem sind: fehlende Identifikation. Das Hamburger Abendblatt hat bedauerlicherweise nur einen oberflächlichen Regionalteil für Norderstedt. Das zum sh:z gehörende Pinneberger Tageblatt weist demgegenüber einen guten Regionalteil aus. Die Identifikation der Leserschaft mit Pinneberg ist einfach deutlicher erkennbar.

Der Chefredakteur führt aus, dass der sh:z erfolgreich mit Internet-Abos ist. Es wurden rund 14.500 App-Abos für alle 16 Tageszeitungen vom sh:z verkauft. Es gibt den Ansatz mit Service-Themen für Pendler, z.B. Verkehr und Wirtschaft zu punkten. Demnach verzeichnet der Verlag noch positive Auflagensteigerungen und hat sein App-Abo mit einem günstigen Angebot für iPads verknüpft.

Hierbei entspannte sich eine kleine Diskussion mit Rainer, über die Tiefe der Berichterstattung von Medien-Apps. Der Vorteil größerer Aktualität wird aber wohl zunehmend eine Abkoppelung von der Gleichschaltung mit dem Printmedium bewirken. Das Printerzeugnis wird eher das Premium-Produkt sein bzw. bleiben. Der schnelle Leser bevorzugt das Internet. Es wird dann hervorgehoben, dass Anzeigenblätter im Gegensatz zu einer Tageszeitung und Lokalredaktion immer interessengeleitet sind.

Eine weitere Variante bzw. Entwicklung sind veränderte Zeitungsformate (z.B. Welt-Kompakt). Matthiesen wies auf z.T. beträchtliche Probleme der Frankfurter Rundschau hin, die eine Umstellung durchgeführt hat, diese aber zu einem späteren Zeitpunkt wieder verwarf. Tageszeitungen wie das Hamburger Abendblatt sind im Format i.d.R. immer größer als Lokalblätter. Es gibt allerdings nach wie vor auch kleinformatige Zeitungen. Der Aufmacher beim sh:z ist immer lokal geprägt, demgegenüber z.B. beim Weser-Kurier international ausgerichtet. Umstellungen im gewohnten Artikelaufbau sind nach Erfahrungen der Redaktion grundsätzlich unbeliebt bei den Lesern.

Im Gegensatz zum Hamburger Abendblatt (…stark Hamburg im Blick…) hat der Flensburger Verlag eine deutlich regionale Ausrichtung, mit vielen kleinen „Hauptstädten“ auf dem Land. Der sh:z versucht die Auswirkung der großen Politik im persönlichen Umfeld darzustellen. Es gibt auch Aktionen über Facebook.

Generell taxiert Matthiesen das mögliche Investment für den Aufbau einer Lokalzeitung in Norderstedt auf rund 5-6 Mio. Euro. Vermutlich dürfte das Risiko für Verleger zu hoch sein. Die vorhandenen Anzeigenblätter sind einfach beweglicher und u.a. auch im Vertrieb flexibler, da sie nicht so pünktlich ausliefern müssen. Peter verweist auf die Besonderheit, dass es in Henstedt-Ulzburg eine „bissige“ Online-Zeitung gibt, die recht erfolgreich tätig ist. Der Referent sieht dies auch als ein Zeichen für eine gewisse Lücke in der Zeitungsversorgung.

Nach seiner Einschätzung gäbe es durchaus Chancen für eine stärkere Präsenz in Norderstedt. Der Sparzwang in den Redaktionen und der schleichende Auflagenverlust von 1-2% pro Jahr führt zu immer mehr Kooperationen, die auch der sh:z eingeht. Bedauerlicherweise geht damit aber auch eine gewisse Vielfalt verloren.

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Freigegebener Auszug aus dem Protokoll vom 14.02.2013

Sekretär von OT 127 Norderstedt

Benno Matthiesen