Mit kognitiven Reserven fit ins Alter – Demenzprävention und Gedächtnistraining.

Mit kognitiven Reserven fit ins Alter – Demenzprävention und Gedächtnistraining.

Vortrag von Dr. Ulrike Bauer vor OT 94 Gießen

OT94_DemenzpraeventionDie Lebenserwartungen sind heute doppelt so hoch wie vor 130 Jahren. Wir wollen alle geistig fit das Alter erreichen. Gedächtnisverlust senkt die Lebensqualität erheblich.

Leichte kognitive Störung kann eine Vorstufe von Demenz sein. Die häufigste ist die Alzheimer Demenz. Hier vollzieht sich ein neurologischer Abbau, das Volumen des Gehirns schrumpft. Demenz ist das größte Risiko für das Alter. 2010 waren 16,8 % der Bevölkerung betroffen, 2050 werden es 23,4 % sein.

Als Erster untersuchte Alois Alzheimer diese Krankheit: „die Krankheit des Vergessens“. Alzheimer Erkrankung bedeutet, dass man sich selbst und seine Persönlichkeit verloren hat. Die ganze Familie leitet unter dieser Krankheit. Ein Alzheimer-Patient kostet jährlich zwischen 80 000 und 100 000 €. Das Gedächtnis enthält eine riesige Menge von Nervenzellen, die das komplexeste Gebilde sind. Dies spielt sich in der 3 mm starken Gehirnrinde ab. Die Nervenzellen werden ein und ausgeschaltet. So funktioniert das Gedächtnis. Die größte Eigenschaft unseres Gedächtnisses ist die unbegrenzte Kapazität.

Bis in den 90er Jahren war man der Ansicht, dass im Erwachsenenalter keine neuen Nervenzellen mehr sich bilden. Heute weiß man, dass der Hippokampus für unser Langzeitgedächtnis unerlässlich ist. Hier können sich immer neue Zellen bilden, wenn eine Herausforderung da ist. Dies kann durch z.B. körperliches Training erfolgen.
Außerdem glaubte man, dass die Plastizität im Alter abgebaut wird. Doch werden immer wieder neue Strukturen gebildet, wenn man sie braucht. Was nicht gebraucht wird, wird abgebaut. Deshalb ist es von Bedeutung, auch im Alter geistig und körperlich fit zu bleiben.

Ein lebenslanges Lernen wird im Alter die Gehirnplastizität erhöhen. Um sein Gehirn fit zu machen, ist es wichtig, den Alltag zu durchbrechen: ein aktiver Lebensstil, körperliches Ausdauertraining, soziale Kontakte pflegen und vor allem die „Rentnerpause“ vermeiden. Zu den Fit- Machern für das Gehirn gehören: geistige Herausforderungen, Vereinsarbeit, Strategiespiele wie Schach oder Bridge, aktives Musizieren, Planen, Konstruieren, Weiterbildung, Sprachen erlernen, interaktive Arbeiten am PC, Lesen von anspruchsvollen Texte, vor allem keine Routine!

Trainierbare kognitive Funktionen sind: Wahrnehmung, Konzentration, Merkfähigkeit, Wortfindung, logisches Denken, Strukturieren, Fantasie und Kreativität. Zu den Alzheimer Risikofaktoren zählen: Alkohol, falsche Ernährung, Nikotin und Übergewicht. Zu den positiven Faktoren gehören Bildung, Bewegung und kognitive und soziale Aktivität.

Um Alzheimer entgegenzuwirken ist die Erhaltung und die Verbesserung der geistigen Fitness unerlässlich, denn:

Das Gehirn hat lebenslange Lernfähigkeit und Plastizität
Lernern im Alter erfordert mehr Aufwand
Plastizität nimmt mit zunehmendem Alter ab, frühzeitiges Training ist entscheidend
lebenslanges Lernen vergrößert und erhält die kognitive Reserve
körperliches Ausdauertraining hat Einfluss auf das Gedächtnis
Abbau von Alterstereotypien
gesunde Ernährung, Stressreduktion und ausreichender Schlaf

 

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