OT 64 Südpfalz hörte einen Vortrag zu und über Piraterie im 17. Jahrhundert

Der Auszug aus dem Protokoll von OT OT 64 Südpfalz zu einem Vortrag von Martin Fritze wurde von Wolfgang Hochdörffer freigegeben  

Vortrag zu und über Piraterie im 17. Jahrhundert
Martin kündigt zu Vortragsbeginn an, mit den Klischees zu und über Piraten „aufräumen“ zu wollen. Auch hat ihn – als einen an jeglicher Geschichte interessierten Menschen – schon immer die Frage beschäftigt, wie es mit der Piraterie überhaupt so weit kommen konnte und wie die damalige Zeit die Entwicklung der Piraterie „gepuscht“ sowie die Machtstellung der Piraten beeinflusst oder auch gefördert hat.

Die heutigen Vorstellungen über die Piraterie und Freibeuterei des 17. Jahrhunderts in der Karibik basieren im Wesentlichen auf den Schilderungen von Alexandre Olivier Exquemelin.
In Romanen und Hollywood-Filmen der Gegenwart wurde die Ära der Piraterie zum großen Teil romantisch verklärt und dämonisch überzeichnet. Mit der eigentlichen Welt der Piraten haben diese Schilderungen wenig gemein.

Ein großer Nährboden der Piraterie ist sicherlich in der Entdeckung der Neuen Welt zu sehen. Um 1600 kam es zur Besiedlung der kleinen Antillen durch Briten, Franzosen und Niederländer. Ab 1620 wurden feste Siedlungen angelegt, erst St. Kilts, dann Barbados (Briten), Martinique (Franzosen), Sint Eustatius (Niederländer). Der Tabakanbau auf den Karibischen Inseln lockte Siedler an. Bis 1630 lebten schon ca. 18.000 Nordeuropäer auf den Kleinen Antillen. Zu diesem Zeitpunkt gab es dort noch keine Piraterie. Ab 1635 begann man mit dem Tabakanbau in Virginia. Der Tabakanbau auf den Kleinen Antillen ging zurück. Nun brauchte man Leute für den Zuckerrohranbau. Weiße Arbeiter wurden durch Schwarze ersetzt. Schmuggler haben in Folge Sklaven ge-schmuggelt, bis Spanien dies unterband um selbst am Schmuggel zu verdienen.

Ab 1629 setzte die Vertreibung der Nordeuropäer durch die Spanier ein; viele wurden nach Europa zurückgeholt. Ihre Rinder, Schweine, Stiere und Ziegen wurden ausgesetzt und konnten sich ungestört vermehren.

Die zurückgebliebenen Siedler, vor allem auch die Bukanier, lebten zunächst von der Jagd auf verwilderte Stie-re und Schweine. Auch trieben sie Fellhandel. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts änderten sie ihre Lebenswei-se und wurden Kaperfahrer in englischen Diensten. Die englische Krone genehmigte die Kaperschiffe und lega-lisierte ihre Umtriebe gegen einen Anteil am Profit. Als Freibeuter machten sie die karibischen Inseln unsicher und attackierten den spanischen (Silberschiffe), französischen und niederländischen Schiffsverkehr. Dadurch verallgemeinerte sich der Begriff Bukanier zu einem Synonym für Freibeuter und schließlich überhaupt für Pira-ten (bekanntester Bukanier: der Waliser Henry Morgan, gestorben 1688). Mit ihrer Beute kehrten Sie nach Ja-maika oder auch Kuba zurück. Tortuga war ein Zentrum der Bukanier, lag am Wasser und war aufgrund seiner begünstigten Lage leicht zu verteidigen. In den 1690er Jahren begannen die alten Bukanier-Methoden auszu-sterben, weil sich die europäischen Regierungen von der Tolerierung des unerklärten Krieges in der Karibik abwandten. Die Bukanier machten allerdings nur einen Teil der Piraten aus. Piraterie war ein viel größeres Phänomen.
Um 1700 bekämpften neue Gouverneure in Nordamerika die Piraten. Nach Schließung der dortigen Häfen kehrten diese wieder in die Karibik zurück. 1713 wurde New Providence auf den Bahamas von etwa 2.000 Piraten beherrscht. Die Inseln der Bahamas waren ideale Ausgangsorte für ihre Raubzüge (ein bekannter Pirat dieser Zeit war Blackbeard). Ihre ersten Ziele waren spanische Schiffe, die die Floridastraße für ihre Waren-transporte benutzten.

Der Kapitän eines Piratenschiffs genoss wenig an Privilegien. Er wurde von der Schiffsbesatzung gewählt und konnte auch wieder abgesetzt werden, z. B. wegen Feigheit, Grausamkeit, der Weigerung Schiffe zu verfolgen). Absolute Autorität hatte der Kapitän lediglich bei der Verfolgung von Beuteschiffen und im Kampf. Die Beute wurde unter der Mannschaft gleichmäßig aufgeteilt. Der Kapitän bekam zwei Beuteanteile (nur in der Legende ist der Kapitän immer der Größte, ausgestattet mit vielen Privilegien! Auch die Mannschaft hatte wahrlich kein schönes Piratenleben; sie war völlig ungepflegt und verdreckt, von Syphilis und anderen Krankheiten und Seuchen geplagt). Über Verwundungen wurden vertragliche Vereinbarungen in Form eines Leistungskataloges getroffen; so gab es für den Verlust eines Beines 600 Piaster, den Verlust einer Hand 100 Piaster, usw.

Piraten hatten kein Interesse an aussichtlosen Gefechten. Sie wollten einfach nur Schiffe kapern und Beute machen. Kriegsschiffen ging man aus dem Weg. Piraten wollten grundsätzlich immer Angst erzeugen (es gab hierfür unterschiedliche Szenarien), um Schiffe von vornherein zur Aufgabe zu bewegen. Schiffsbesatzungen, die sich wehrten und dann doch erobert wurden, waren immer verloren. Wenn Schiffe ohne Widerstand geentert werden konnten, dann war durchaus auch ein guter Umgang mit den Geenterten üblich. Wie schon gesagt, im Mittelpunkt stand immer die Beute und weniger die Tötungsabsicht. Mit diesem Satz, der mich irgendwie an die Deutsche Bank erinnert, möchte ich schließen.