Rückkehr des Wolfes – wieviel Wolf wollen wir uns leisten?

Vortrag vor OT143 Oldenburg am 14.04.2017

Knut Hoppe informiert uns heute anschaulich über die „Rückkehr des Wolfes“ und stellt die Frage, wieviel Wolf „wir uns leisten“ wollen.

Als passionierter Jäger stellt er zunächst die weitestgehend belegten Fakten zur Rückkehr des Wolfes in Deutschland dar, insbesondere auch in Niedersachsen. Entgegen jeder Phobie sei es danach so, dass Übergriffe des Wolfes auf den Menschen in der Vergangenheit nicht belegt sind. Problematisch ist eher die Tatsache, dass der Wolf als Überträger der in Deutschland zur Zeit (noch?) ausgerotteten Tollwut bestens geeignet sei.

Die Ausrottung des Wolfes in hiesigen Gefilden sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass der Wolf in den Nachbarländern, in denen er bis vor kurzem beheimatet war, einerseits massiv bejagt wurde; andererseits war eine Verbreitung gen Westen zur Zeit des eisernen Vorhangs schon aufgrund dieser Barriere überhaupt nicht möglich. Die massive Bejagung in den östlichen Nachbarländern sei insbesondere darauf zurückzuführen, dass der Wolf intensiver Nahrungskonkurrent zu uns Menschen ist, da er bspw. auch gerne Rinder mag.

Mit dem Fall des eisernen Vorhangs Ende der 1980er-Jahre habe sich der Wolf dann zunehmend in Richtung Westen ausgebreitet, sodass er nunmehr auch insbesondere in Niedersachsen wieder zu finden sei.

Für Wolfssichtungen sei in Niedersachsen neben der zentralen Wolfserfassung bei der Landesjägerschaft Niedersachsen unter anderem ein vom Land Niedersachsen gesponsertes Wolfsbüro zuständig.

Als Nachweis, ob es sich bei gesichteten verdächtigen Tieren tatsächlich um einen Wolf und nicht lediglich einen Hund gehandelt hat, gebe es eine Kategorisierung in die Klassen C1 bis C3, wobei lediglich der sogenannte „C1-Nachweis“ (d.h., es handelt sich tatsächlich um einen Wolf) zwingend einen DNA-Nachweis beinhalte, der bspw. über Kot und Risse, nicht aber über bloße Sichtungen oder Fotos erfolgen könne. Sämtliche Nachweise, die nicht über die DNA vorgenommen werden können, seien insofern als unsicher zu bezeichnen und kein eindeutiger Beleg für das Vorhandensein eines Wolfes.

Als C1-bestätigter Wolf habe unter anderem der tot gefahrene Jährling (kleine Anmerkung: meine Sekretärin schrieb hier LehrlingJ) des Munsteraner Rudels herhalten können oder müssen; passend zu unserem gestrigen Vortrag berichtete auch die NWZ am 11. April 2017 über einen tot gefahrenen Wolf im Kreis Vechta. Auch dieser Wolf wird voraussichtlich zu dem zweifelhaften Vergnügen gelangen, als „C1- bestätigter Wolf“ zu gelten.

Der Wolf sei außerdem der größte Beutegreifer ohne natürliche Feinde (außer dem Auto) und lebe im Rudel; er sei sehr lernfähig und ernähre sich p.a. von bis zu 65 Rehen, 9 Stück Rotwild und 16 Wildschweinen (je Wolf p.a.!). Gelegentlich kommen dann Nutztiere hinzu. So bejage ein Rudel (bestehend aus etwa 3 bis 11 Tieren) etwa 300 Hektar und sei somit geeignet, die vorgesehenen Abschusszahlen der Jagdpächter ohne Beachtung von Schonzeiten vollständig selbständig zu erledigen.

Die für Deutschland vorgesehene Zielpopulation, also die Zahl, die man meint, die in Deutschland verkraftbar sei, liegt bei 440 (!) Rudeln. Zur Zeit leben in Deutschland etwa 63 Rudel. Die Vermehrungsquote liege in einer Verdopplung des aktuellen Besatzes etwa alle drei Jahre (der weibliche Wolf wirft im April etwa 4 bis sechs Welpen).

Der Wolf unterliegt in Niedersachsen nicht dem Jagdrecht, sodass insbesondere auch Jägern (wie dem normalen Volk auch) die Aneignung lebender Wölfe, verletzter oder toter Wölfe oder von Teilen davon strengstens untersagt sei. Bedeutet konkret, dass man einen Wolf, den man im Wald sieht, nicht ganz oder teilweise mit nach Hause nehmen darf.

In 2016 liegt die Zahl der durch C1- bestätigte Wölfe getöteten Nutztiere bei etwa 175. In einem besonderen Blutrausch war ein Wolf, der bei einem einzigen Angriff 14 Schafe getötet hat und ein weiterer Wolf, der bei einem Angriff 24 Stück Gatterwild getötet hat.

Besondere Schutzmaßnahmen werden nur unter Einhaltung von (bei Zäunen) erstaunlichen Höhenvorschriften (in Abhängigkeit von der Art des Nutztieres) durch das Land Niedersachsen gefördert.

Erstaunlich ist, dass in Niedersachsen jährliche Mittel von Euro 10.000,00 pro Wolf (für Wolfsbüro und Schadensersatz) aufgewendet werden; der finanzielle Aufwand für Schulkinder bleibt dagegen mit etwa Euro 6.900,00 je Schulkind deutlich dahinter zurück.

Als Fazit ist festzuhalten, dass aus heutiger Sicht die Wolfsdichte noch nicht weiter problematisch ist und insbesondere für den Menschen noch kein größeres Risiko birgt. Für die Zukunft sind allerdings bei einer weiteren Zunahme der Wolfsdichte Konflikte mit dem Menschen vorhersehbar, ebenso ist damit zu rechnen, dass sich die Tollwut wieder in Deutschland ausbreiten wird.

Zu weiteren Problemen, insbesondere zu Unverständnis in der Bevölkerung wird der Schutz der Wölfe führen, wenn zunehmend Rinder, teure Pferde und Hunde gerissen werden.

Welche Ausmaße eine derartige Forderung haben kann, erörtert Knut dann noch an Hand des Wolfskrankenanhängers. Das Land Niedersachsen förderte diese Anschaffung, obgleich in Hannover, dem Standort dieses Wolfskrankenanhängers bislang gar keine Wölfe gesichtet wurden. Viel erstaunlicher ist das aber noch deshalb, weil den Betreibern dieses Anhängers aufgrund des Unterfallens der Wölfe unter das Bundesnaturschutzgesetz überhaupt kein Aneignungsrecht zustand, sie also einen verletzten Wolf überhaupt nicht hätten einladen dürfen.

Aufgezeichnet und freigegeben von Andreas Lauven