Traumatisierung und ihre Folgen

Ruetter_Anke
„Traumatisierung und ihre Folgen“

Vortrag von Anke Rütter vor OT 48 Münster „Traumatisierung und ihre Folgen“
Dieses interessante Thema brachte uns Anke Rütter in ihrem spannenden und mit vielen Beispielen bereicherten Vortrag sehr verständlich nahe. Anke ist als Psychologin seit 10 Jahren im klinischen Bereich der Psychologie tätig und hat sich in ihrer eigenen Praxis in Bad Laer auf Kinder- und Jugendpsychologie spezialisiert. Hier therapiert sie auch junge Menschen, welche als Folge von Unfällen, Gewaltverbrechen, schwerster Vernachlässigung oder von Katastrophen und schweren Schicksalsschlägen an seelischen Verletzungen leiden.

Ein solches Ereignis, welches eine tiefe Verzweiflung und Hilflosigkeit auslöst und eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis bewirkt, wird als Trauma bezeichnet und kann zu einer Traumatisierung führen. Betroffene eines Traumas können viele verschiedene psychische Störungen entwickeln, z.B. Depressionen, Angststörungen, Störung des Sozialverhaltens bis hin zum Suizid. Bei einem als Bedrohung wahrgenommenen traumatischen Erlebnis blendet sich das für die Bewusstheit zuständige Frontalhirn zum Schutz (Überlebenssicherung) aus. Die Amygdala als Teil des für die Verarbeitung von Gefühlen zuständigen Limbischen Systems bleibt hingegen aktiv und ist wesentlich an der Entstehung von Angst beteiligt. So wird im Moment des Traumas die Angst mit allen Reizen der traumatischen Situation verknüpft, jedoch geschieht dies unbewusst.

Bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) wird das Trauma wiederholt durchlebt und erlebt in sich aufdrängenden Erinnerungen oder in Träumen. Auslöser können dann Reize aus der traumatischen Situation sein (Geräusche, Gerüche, Bilder, Worte u.v.m.), ohne dass sie bewusst als solche Auslöser wahrgenommen werden.

Nicht jedes traumatische Ereignis jedoch mündet in einer PTBS. Wahrscheinlichkeiten liegen bei ca. 17-25% nach 9/11, 30% bei Opfern sex. Gewalt, 40-50% nach Naturkatastrophen (Tsunami), Traumatisierung als Kind durch Fremden 60-70%, innerhalb der Familie 100%!

Neben den Sofortmaßnahmen am Geschehensort (Sicherheit herstellen, dabeibleiben etc.) ist bei einer PTBS eine Traumatherapie erforderlich. Ziel ist dabei einerseits die Stabilisierung und andererseits die (bewusste) Verarbeitung der traumatischen Erlebnisse, d.h. die Inegration des Erlebnisses als schlimm aber aktuell nicht mehr belastend in die eigene Biographie. Art und Anzahl der Traumata bestimmen die Komplexität der Traumatisierung und Dauer der Therapie.

Die wissenschaftliche Grundlage, die Psychotraumalogie, ist eine junge Wissenschaft (ca. 60er Jahre) und wird auch heute noch von manchen Medizinern nicht ernst genommen. Dabei ist die Problematik schon lange offensichtlich. (z.B. „Kriegszitterer“ des 1. Weltkrieges. Damals waren die Behandlungsverfahren wie Isolation oder Elektroschocks noch äußerst fragwürdig).

Heute besteht ein großer Bedarf an Therapieplätzen, es ist jedoch (primär aus Kostengründen!) ein viel zu geringes Angebot vorhanden. Wartezeiten von mehreren Monaten auf eine erforderliche Therapie sind üblich.

Wirtschaftlich ist diese Situation der Mangelversorgung jedoch sowohl für die einzelne Krankenversicherung als auch die gesamte Gesellschaft ein Desaster, da Traumatisierung und andere psychische Störungen bereits Platz 2 der Gründe für Arbeitsunfähigkeit belegen.

Wir danken Anke herzlich für einen tollen Vortrag! Link zur Praxis